Kunst bewegt und hält in Bewegung

Ausstellung der Künstlergilde Freilassing noch bis morgen im Stadtmuseum

FREILASSING (nh) -  „Kunst bewegt“, mit diesem eigentlich schlichten, aber doch sehr weit interpretierbaren Arbeitstitel hat die KünstlergiIde ihre jüngste Ausstellung in der Galerie im Stadtmuseum gestaltet. In Anlehnung an das Motto "Die Stadt bewegt" leisten damit die Künstler ihren Beitrag zur 60-Jahr-Feier der Stadt Freilassing. „Kunst ist ein Brückenschlagen von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, von Mensch zu Mensch", fasste Gildenmitglied Gerda Steingruber-Schaffler zur Ausstellungseröffnung ihre Deutung von Kunst zusammen.

 

  Musikalisch empfangen wurden die Gäste der Vernissage von Yubril 0lawumi, der auf seiner African Drum einen dezenten Klangteppich erzeugte und die Eindrücke beim Be-trachten der Exponate verstärkte. Mit „Titellosen Versen" aus ihrem Lyrikband „Tiamat" stimmte Gildenmitglied Gerda Steingruber-Schaffler die Besucher ein. Beim ersten Rundgang wurde schnell augenscheinlich, welch verschiedene Facetten das Ausstellungsthema hergibt und, immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich sich die Künstler dem Thema annähern. Da ist Erni Brendtner, die Picasso und Paul Cezanne interpretiert, die als mutige Kunst-Vordenker viel bewegt haben. Eindrucksvoll die Slulpturengruppe „Abschied“ (Terracotta, Oxyde) von Helga Bunk. Die Bewegung der Figuren scheint hier zur stummen Trauer zu erstarren. Auf dem Acrylbild „ohne Titel" von Klara Erban sind es die ineinander zerfließenden Farbverläufe, die Bewegung entstehen lassen. Mit ihrem stilisierten „Freilassinger Pferd" (drei kleine Leinwände auf Stoff) stellt Constanze Gugg einen künstlerischen Bezug zum Stadtjubiläum her. Bewegung verändert auch die Perspektive des Betrachters zum Motiv, dies meint jedenfalls Karin Maier mit ihren beiden Ölbildern „Ansichtssache". Schließlich ergibt es einen Unterschied, ob man einer Kuh ins glasige Auge blickt oder ein Aktgemälde andächtig betrachtet. Dass Bewegung oft in Zusammenhang mit Brüchen, Veränderungen, Abschieden, Neuanfängen steht, symbolisiert Gilde-Urgestein Sepp Lingl in seiner Skulptur „Zeitschnitt“ (Holz, Kupfer, Eisen).
  Ob Ernestine Gugler-Hainz mit ihren Intagliotypien oder die Holzskulptur „Madame" von Marion Klotz-Wiesenhütter, ob die eindrucksvollen Glasbilder von Gerda Steingruber-Schaffler und die fließenden Farben in den Acrylbildern von Martina Riedner und Tina Strobel, die Gilden-Familie hat es auch diesmal wieder geschafft sich unter einem thematischen Dach zusammenzufinden.
  Wenn von Familie gesprochen wird, dann darf natürlich Renate Paschke nicht hinten anstehen, ist sie doch mit ihrem Oganisationstalent und ihren künstlerischen Vielseitigkeit quasi die „Gildenmutter".Erstaunlich, mit welcher zielstrebigen Unbekümmertheit und kreativen Energie sie sich immer wieder neuen Themen, Techniken und Materialien zuwendet.

  So ist sie in der aktuellen Ausstellung nicht nur mit dem Acrylbild “Fukushima“,  mit einer auf raffinierten Spiegelungen aufgebauten Fotografie und mit dem digital bearbeiteten Foto .“der aus der Reihe tanzt“ zu sehen, sondern auch mit dem einer Musikbox nachempfundenen beweglichen Objekt ..klic-klac Rotterdam“ und dem kinetischen Objekt „Rotation“, bei den zwei Kugeln auf wundersame Weise ihre einsamen Kreise ziehen.
  „Bewegt sich die Kunst, bewegt die kunst uns, sollen wir vielleicht gar die Kunst bewegen?  Was wird durch Kunst in Bewegung gesetz?“ - Fragen mit denen sich die Künstler im Vorfeld ihrer Ausstellung auseinerzusetzen hatten. Als mögliche Antwort zitierte Gerda Steingruber-Schaffler In ihre Eröffnungsansprache Heinz Denk, einen Künstlerfreund: „Kunst muss Fragen aufwerfen, tut sie dies nicht, ist sie fad und ohne Tiefgang“. Nein. fad und ohne Tiefgang istdiese Ausstellung nicht. Im Gegenteil, die rührigen Miglieder der Künstlergilde beweisen einmal mehr: Kunst bewegt und hält in Bewegung!
  Die Auststellung in der Galerie im Stadtmuseum ist noch bis Sonntag, 13. Juli, täglich von 13 bis 18 Uhr zu sehen.

Gerda Steingruber-Schaffler bei ihrer Eröffnungsrede. Im Hintergrund Acrylbilder von Klara Erban und (rechts) das Mitmachobjekt "Create Your Own (Art)" von Renate Paschke

 

 

 

 

Constanze Gugg "Freilassinger Pferd"

Quelle: Freilassinger Anzeiger vom 12.Juli 2014

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© Renate W. Paschke